Das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren:
Was ist
das?
Dass Neurodermitis und Asthma
heilbar sind, stößt häufig noch auf Verblüffung oder
Unglauben. Und doch bestreitet kaum ein Fachmann die durchaus
beachtliche Zahl von Spontanheilungen. Patienten, die oft
jahrelang durch eine der beiden Krankheiten entscheidend
beeinträchtigt waren, wurden plötzlich und
einfach so gesund.
Genau hier setzt das
Gelsenkirchener Behandlungsverfahren an: Wenn es erwiesenermaßen
Spontanheilungen gibt, dann müssen diese auch ganz gezielt und
mit System herbei geführt werden können. Warum wurden diese
Patienten auf einmal gesund? Diese Frage hängt natürlich eng
mit einer anderen zusammen: Warum wurden sie denn überhaupt
krank? Was führt zum Ausbruch von Neurodermitis oder Asthma?
Die Umwelt ist schuld, sagen
viele Experten. Tatsache ist, dass die Umweltbelastungen hier
wesentlich geringer sind als in vielen Entwicklungsländern.
Trotzdem ist die Rate der an Asthma bzw. Neurodermitis Erkrankten
hierzulande wesentlich höher als dort. Warum reagieren heute
immer mehr Menschen allergisch auf ganz normale
Nahrungsmittel? Getreide z.B. stand schon seit Jahrtausenden auf
dem Speiseplan des Menschen und auf einmal reagiert er
darauf allergisch!
Der Neurodermitiker
oder Asthmatiker verträgt das Normale nicht, sagt
Professor Stemmann, der Begründer des Gelsenkirchener
Behandlungsverfahrens. Wenn man das Normale auf Dauer
vom Patienten fern hält, führt dies nicht nur zu einer
Einschränkung der Lebensqualität. Die Krankheit wird dadurch
nicht geheilt ganz im Gegenteil: Die Angst wächst, Angst
vor dem nächsten Anfall, vor dem nächsten Schub. Der Patient
fühlt sich der Krankheit hilflos ausgeliefert. Und gerade diese
Angst, das Gefühl der Ohnmacht, sie verschlimmern die Krankheit.
Der Patient befindet sich in einem Teufelskreis.
Bewiesen ist, dass die
Veranlagung zu Asthma und Neurodermitis erblich ist. Dies
bedeutet aber noch lange nicht, dass diese Krankheiten
zwangsläufig auch bei jedem Betroffenen ausbrechen müssen. In
Gelsenkirchen hat man herausgefunden, dass der Auslöser für
Neurodermitis ein traumatisches Trennungserlebnis ist. Dieses mag
rational gesehen völlig banaler Natur sein: Ein Baby wird durch
einen Donner geweckt und statt der Mutter erscheint die
Nachbarin. Entscheidend ist, dass der Betroffene völlig
unvorbereitet war und diese Trennung als Katastrophe erlebte.
Asthma wird ausgelöst durch
eine sogenannte Revierverletzung. Jeder Mensch hat sein eigenes
Revier, dazu gehören seine Wohnung, seine Familie, sein Weg zur
Arbeit, sein Arbeitsplatz usw. Wenn nun eine für den Betroffenen
entscheidende Person dieses Revier unerwartet verlässt oder eine
neue Person ebenso unerwartet ins Revier eindringt, bricht das
Asthma erstmals aus. Beispiel: Geburt eines Geschwisterkindes.
Manchmal lässt sich nicht
genau feststellen, welches Erlebnis zum Ausbruch der Krankheit
geführt hat. Meistens ist dies auch nicht so sehr von Belang.
Nur in extremen Fällen muss der genaue Hergang des traumatischen
Erlebnisses rekonstruiert werden. Wichtig für die Therapie ist
die Tatsache, dass der Betroffene durch ein solches Erlebnis
trennungs- (Neurodermitis) bzw. revierempfindlich (Asthma)
geworden ist. So lässt sich erklären, dass viele an
Neurodermitis erkrankte Kinder es nicht ertragen können, wenn
ihre Mutter sie auch nur für einen Toilettenbesuch verlässt.
Was ist zu tun? Die
Betroffenen müssen lernen, mit Trennungen und kleineren
Revierverletzungen zu leben. Sie können mit der Zeit erkennen,
dass eine Trennung nicht bedrohlich sein muss, dass sie gut auch
(für eine bestimmte Zeit) allein zurecht kommen können. So kann
ihr Selbstvertrauen wieder wachsen. Und damit verschwindet die
Angst. Die Betroffenen und ihre Angehörigen lernen, dass sie der
Krankheit eben nicht hilflos ausgeliefert sind. Sie selbst haben
den Schlüssel zu ihrer Heilung in der Hand! Dies bedeutet eine
beglückende Befreiung, ein Wiedergewinnen von Autonomie.
Zwei bis drei Wochen dauert
der stationäre Aufenthalt in der Städtischen Kinderklinik in
Gelsenkirchen. In schweren Fällen kann auch eine Verlängerung
erforderlich werden. Jeder Betroffene und jeder Angehörige wird
genau instruiert. Es gibt keine Frage, die unbeantwortet bleibt.
Allen Patienten und ihren Angehörigen wird ein Weg aus der
Krankheit gewiesen. Den Weg wirklich gehen muss der Betroffene
aber selbst, wenn möglich auch seine Angehörigen. Dies ist oft
nicht leicht, vor allem nach der Rückkehr nach Hause. Der
Betroffene muss quasi sein Leben umprogrammieren auf Gesundung.
Er ist ja nicht länger zur Passivität verdammt. Aktiv kann er
sein Leben gestalten. Gesundheit ist ein Geschenk, das sich
jeder selbst machen kann, sagt Annegret Braun, die zweite
Vorsitzende des AuK e.V.
Das genaue Vorgehen ist
unterschiedlich und hängt in erster Linie vom Alter des
Betroffenen ab. Kinder z.B. üben Trennungen. Ihre
Eltern bzw. Bezugspersonen bekommen dafür genaue Instruktionen
und verabschieden sich mehrfach täglich für mindestens eine
halbe Stunde von ihren Kindern. Diese bleiben in der Zeit mit
anderen Kindern zusammen in der Obhut von erfahrenen
Erzieherinnen. Zu Hause muss dieses Trennungstraining fortgesetzt
werden.
Trennungs- bzw.
Revierempfindlichkeit geht mit Spannung, mit Stress einher. Wer
ständig Angst vor einer Trennung oder einer Verletzung hat, der
steht unter Spannung. Um diese abzubauen, erlernen Betroffene und
Angehörige in Gelsenkirchen das Autogene Training. Zu Hause muss
der Betroffene mindestens täglich einmal für 20 Minuten das
Autogene Training durchführen. Wenn es sich um ein Kind von
unter 12 Jahren handelt, fällt diese Aufgabe einer engen
Bezugsperson zu. Die so gewonnene Entspannung überträgt sich
auf das Kind. Das Autogene Training ist ein zentraler Punkt des
Gelsenkirchener Behandlungsverfahrens und sollte auch nach einer
Heilung immer weiter praktiziert werden.
Das Gelsenkirchener
Behandlungsverfahren wird für ca. ein Jahr zu Hause umgesetzt.
In schweren Fällen ist eine Verlängerung erforderlich. Während
dieser Zeit wird die Ernährung auf eine streng säurearme
ausgewogene Kost umgestellt. Die gängigen Allergene wie
Kuhmilch, Hühnerei, Zucker u.a. werden weg gelassen. Statt
dessen sollte ca. zwei Drittel des Tagesbedarfs durch Gemüse
gedeckt werden. Diese gesunde Ernährung dient der Entlastung des
Betroffenen. Wenn auch die Allergene keine Neurodermitis, kein
Asthma auslösen, so können sie diese Krankheiten doch negativ
beeinflussen. Nach dem Behandlungsjahr erfolgt eine
Kontrolluntersuchung in Gelsenkirchen, nach der im allgemeinen
die Ernährung langsam auf eine gesunde Vollwertkost erweitert
werden kann.